- Abstriche und Makros -
Christian Frosch
Eröffnung war am Freitag, 20. September 2002, 20.00 Uhr
21. September bis 13. Oktober 2002
- Abstriche und Makros -
Kann ein einziger Farbklecks das Geheimnis der Malerei verkörpern? Oder trägt er lediglich zu ihrer Entzauberung bei? Was ist Malerei ? Und wo beginnt ein Objekt? Mit solchen Fragen setzt sich der
Künstler Christian Frosch auseinander, der ab Freitag, 20. September, seine Arbeiten "Makros + Abstriche" in der Neuen Galerie Landshut ausstellt. Die öffentliche Vernissage findet am Freitag, 20. September, um 20 Uhr im Gotischen Stadel auf der Mühleninsel statt.
Der 34jährige Münchner begann zunächst in figürlich expressiver Tradition zu malen, beeindruckt von Francis Bacon und anderen Zeitgenossen. Bald ging er jedoch dazu über, statt Bilder zu malen die Keilrahmen zu zersägen und die losen Stücke mit Kunststoffgeweben zu "umrahmen". Ein paar verzogene Keilrahmen hatten ihn auf diese Möglichkeit gebracht. Danach nutzte er immer wieder solche "Unfälle", um aus der Abweichung ein künstlerisches Prinzip zu entwickeln.
Seither hat Frosch der konventionellen Malerei den Rücken gekehrt. Anstatt die verschiedenen Pinsel über die Leinwand zu streichen, arrangierte er sie , der Größe nach geordnet, als gegenständliches Bild. Und er hörte auf, die Farben aus den Tuben auf die Bildfläche zu drücken, um sie statt dessen wie die Objekte einer pathologischen Sammlung in Gläser zu stecken. "Dieser Kunstgriff genügt, um die Malerei 'einzumachen' und zugleich die seit Marcel Duchamp immer wieder gestellte Frage nach ihrem Ende aufzuwerfen", schreibt Jürgen Kisters über den Künstler. Christian Frosch wurde zum malenden Forscher. Wie ein Naturwissenschaftler, der Schmetterlinge zerlegt, nimmt Frosch die Malerei auseinander, zerlegt sie in Stücke, untesucht und dokumentiert sie. Alles soll restlos erfasst werden. Sogar die Zigarettenkippen, die während des Malvorgangs entstanden sind, werden - neben Aspirintabletten - in einem Glas aufbewahrt. "Malen geschieht längst nicht mehr nur mit Pinsel und Farbe", sagt Frosch. Und arbeitet beharrlich daran, für sich eine neue Form der Malerei zu erfinden, die ins 21. Jahrhundert passt. In seinen sogenannten "Makros" hat er einen Farbklecks zwischen zwei Glasplatten gepresst - ein Objekt konzentrierter Einfachheit, das sich ins Bewusstsein gräbt. Und dem Betrachter die Erkenntnis einbringt: Je schlichter und ruhiger Bilder werden, desto stärker positionieren sie sich gegen die pausenlos bewegten Bilder um uns herum.
Christian Frosch studierte Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München bei den Professoren Gerd Dengler und Helmut Sturm, später bei Magdalena Jetelová an der Kunstakademie Düsseldorf. 1997 gründete er die Anatomisch-Pathologische Sammlung Malerei (APSM). Er erhielt u. a. das Frankreich-Stipendium des DFJW, das Stipendium im Künstlerhaus Lukas der Stiftung Kulturfonds Berlin und das Bayerische Atelierförderprogramm für bildende Künstler. Seine Arbeiten waren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen, u.a. in der Artothek München, der Galerie Werner Klein in Köln, dem Kunstverein München und der Galerie Jette Rudolph in Berlin. Die Ausstellung in der Neuen Galerie Landshut ist bis zum 13. Oktober im Gotischen Stadel auf der Mühleninsel zu sehen. Sie ist donnerstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Zur Ausstellung ist ein Katalog der Galerie Werner Klein, Köln, erschienen.
« zurück |