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MARTIN PAULUS
Indisches Leporello

Eröffnung war am Freitag, 25. Januar 2002, 20.00 Uhr
Zur Ausstellung erschien ein Katalog mit Bildern und einer Erzählung des Künstlers
26. Januar bis 17. Februar 2002






Ein kleiner Junge lehnt an einer Säule, zwei Passanten schieben ihre Fahrräder über einen Platz, ein Mann im Sommeranzug posiert auf einem Schiffsdeck: Auf den geheimnisvollen Bildern des Landshuter Künstlers Martin Paulus ist keine dieser Figuren klar zu erkennen. Die Personen wirken wie Botschafter aus einem Schattenreich, die den Betrachter in ihren Bann ziehen. Ab Samstag, 26. Januar zeigt der Künstler in der Neuen Galerie Landshut seinen Bilderzyklus „Indisches Leporello”. „Die Arbeit von Martin Paulus bewegt sich konsequent zwischen den verschiedenen Medien, sie ist ihrem Wesen nach interdisziplinär angelegt”, schreibt Wieland Schmied über die Bilder des in Landshut lebenden Künstlers. Fotografien von ihm unbekannten Personen sind oft der Ausgangspunkt für seine Bilder. Die darauf abgebildeten Personen und Stimmungen reflektiert er dann im Medium der Malerei. So auch im Zyklus „Indisches Leporello”: Die Vorlagen für die 20 Motive sind in den 20er Jahren in Indien aufgenommene Fotos aus einem anonymen Nachlass. Martin Paulus wählte aus diesem Portfolio einige Motive aus und übersetzte die Inhalte in Malerei. „Jedes dieser Bilder ist das Portrait einer Fotografie”, sagt Paulus. „Die Fotos sind für mich ein Gegenüber, das auf mich mit der gleichen Eindringlichkeit wirkt wie eine Landschaft auf einen Landschaftsmaler.”
 Das große Thema: Erinnerung und Gedächtnis. Alte Fotografien sind Fenster in die Vergangenheit - wie auch deren künstlerisch gestaltete Abbilder. Mit der Substanz der Farbe beschreibt der 40jährige die Substanz der Zeit. Martin Paulus arbeitet oft in Bildzyklen oder -gruppen. Diese Zusammenstellungen funktionieren wie ein kurzer, gemalter Film. In dieser Form gestaltete er bereits die Zyklen „Lichtbilder” oder „Plaza Real”, stille Schwarz-Weiß-Fotos von Menschen, die in ihrer Grosstadt-Isolation verloren sind, Paraphrasen von Heiligenbildern berühmter Maler wie Messina und Velasquez. In den Bildern des „Indischen Leporello” spiegelt sich der frühe Tourismus wieder, Reiseimpressisonen, die der Künstler in der Malerei deutlicher pointiert. Das Fremde, Geheimnisvolle und Existentielle zu gestalten, ist dabei Martin Paulus wichtigstes Anliegen. „Einem Reisenden, der in exotischen Welten unterwegs ist, tun sich immer auch seelische Abgründe auf. Er erkennt, dass er auch in 10 000 Kilometer Entfernung vor seinen Ängsten und Obsessionen nicht fliehen kann.”
Martin Paulus wurde 1961 in Landsberg am Lech geboren, studierte von 1982 bis 1988 an der Akademie der Bildenden Künste in München und arbeitet seitdem als freischaffender Künstler. Er wirkte u. a. an dem Spielfilm „Walk me home” von Timothy Neat, John Berger und Nella Bielski sowie an dem Stummfilm „Der Grenzmarch-Verrucker” von Jochen Proske mit. Der Landshuter zeigt seine Arbeiten seit 1986 in zahlreichen nationalen und internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen. Er erhielt u.a. das Graduiertenstipendium der Akademie der Bildenden Künste in München und den Kunstförderpreis der Stadt Landsberg am Lech. 1992 war er Offizieller Deutscher Künstler für Olympia ‘92 in Barcelona.
Zur Ausstellung „Indisches Leporello” erscheint ein Katalog mit Bildern und einer Erzählung des Künstlers. Die Arbeiten sind bis Sonntag, 17. Februar jeweils von donnerstags bis sonntags, 14 bis 17 Uhr, in der Neuen Galerie Landshut im Gotischen Stadel auf der Mühleninsel zu sehen.

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